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Tagebuch vom 21.-24.9.23

Donnerstag, 21. September 2023

Ein Tag gleich wie der Letzte


Meine Blog-Beiträge werden wohl kürzer und kürzer und es bringt auch wenig, wenn ich täglich die mehr oder weniger gleichen Bilder hoch lade. Es ist gerade etwas bitter hier, langweilig und anstrengend. Blauer Himmel heisst hier nicht etwa, dass es sich um einen sonnigen Tag handelt. Es kann 10 Minuten später wie aus Kübeln regnen. Jeden Tag bis jetzt. Wie auch jetzt gerade. Heute aber habe ich ein perfektes Plätzchen gefunden bis das Gröbste vorbei ist. Mein Vreni ist am Trockenen und ich habe ein Holzbänkli vor einem Häuschen und schaue dem Regen und Verkehr zu während meine Instant-Nudeln gar werden. Dies ist übrigens momentan mein Zmorge, Zmittag und Znacht. Auch nicht so toll. 

Da es durch ganz Sumatra kaum Strassen hat, ist hier auf dieser Hauptverkehrsachse einiges los. Ein Lastwagen nach dem anderen. Ein weiterer Grund weshalb das Radfahren hier keinen Spass macht. Muss aber sagen, dass 9 von 10 Trucker sehr rücksichtsvoll fahren. Obschon diese keine Erfahrung mit Fahrradfahrern haben warten die meisten bis sie überholen können. Der Platz ist knapp und oft trennen mich nur Zentimeter zu den stinkenden Monster auf Rädern. Am Hang fahren die schweren Dinger  dann nicht viel schneller als ich wobei ‚kriechen’ treffender wäre. Leider haben die meisten die Auspuffanlage auf der linken Seite, so dass ich gefühlt den ganzen Tag in einer schwarzen Abgaswolke fahre. Mir geht es hier wie Göle - ‚Stoub uf der Lunge und Dräck uf der Zunge‘.. 


Ich habe gerade meine zwei Dosen Nudeln verdrückt als eine Frau mit dem Roller zum Haus fährt und sich strahlend neben mich setzt. Gleichzeitig öffnet sich die Türe von innen und ihre Tochter kommt aus dem Haus. Die hat mich wohl nun 45 Minuten lang beobachtet. Jedenfalls sassen wir eine ganze Weile zu dritt auf dieser Bank und haben herzhaft zusammen gelacht. Mama hat 6 Kinder und leider ihren Mann verloren, die Tochter auf dem Bank sei Nr. 4 sagte sie lachend. Diese ist schwanger und zeitgleich rollt gerade der zukünftige Vater an. Dann gab es ein Fotoshooting in allen Kombinationen. Kurz darauf kam die kontaktierte Freundin hinzu, auch sie wollte Fotos haben für TikTok. Dieses Treffen war mein Highlight vom Tag und solche herzlichen Begegnungen momentan meine einzige Motivation hier.


Am meisten Mühe habe ich mit den Unterkünften. Ich habe kein Problem mit einfachen Behausungen, das hatten wir oft, aber nicht in einer Serie von vielen Nächten. Gestern zum Beispiel hatte es keinen Haarfön, im ganzen ‚Hotel‘ nicht, meiner Mähne ist das egal aber das heisst, ich ziehe am nächsten Tag nasse Klamotten an und schlüpfe in nasse Schuhe. Reinigen kann man das Zeugs auch nicht ordentlich. Die Zimmer werden ganz sicher nicht täglich gereinigt und wahrscheinlich ist es besser wenn man nicht alles weiss. 


Der zweite Teil schreibe ich nun im neuen ‚Hotel‘ und auch hier ist es +/- gleich schlimm wie in den Letzten. Da leider kein Internet, liefere ich alles nach sobald ich wieder in der Zivilisation bin 🙏🏼. Und schon wieder kein Lavabo im Bad, aber ein Wasserhahn 10 cm über Boden…

Zum Glück habe ich eine Penntüte dabei, welche mich von allem trennt was mich nicht berühren soll. 


Ja diesem Sumatra kann ich bisher nicht viel abgewinnen und einigen Wortmeldungen zur Folge soll es auch auf Jawa so weitergehen. Halleluja…



Freitag, 22. September2023

Der erste Tag Sumatra ohne Regen


Auch heute nicht wirklich ‚Good News‘ - dieses Sumatra ist für mich die Fahrradhölle Asiens. Wieder 9 Stunden im Sattel, wieder über 1000 Höhenmeter, wieder über 100 Kilometer, wieder Dreck und Staub, wieder ein Sch… Hotel, wieder Sch… Verkehr - heute ist sogar ein Lastwagen umgekippt in einer Kurve aber ich hatte mich nicht dafür ein Foto zu machen. Hinzu kommen entzündete Augen und offene Blessuren am Allerwertesten. Ich habe fast 6,5 Monate eine Welle von Glücksgefühlen geritten, Tag für Tag, 170 Tage lang, nun muss ich wohl eine Zeitlang untendurch wie es scheint. In 220 Kilometer kommt eine grosse Stadt mit richtigen Hotels und wenn ich Glück habe, muss ich dort auch kein Ungeziefer beseitigen, habe eine Dusche mit der Möglichkeit die Temperatur zu regulieren und eventuell sogar Internet. Ich bleibe positiv so gut es geht 😌



Samstag, 23. September 2023

Das Moskito-Zimmer


Es ist Tag 7 in Sumatra, Indonesien, gefahrene Kilometer heute 142 mit nicht enden wollenden Höhenmeter. Vreni gefällt es hier auch nicht wirklich gut. Des öfteren schaltet sie die Gänge ohne mein dazu tun. Unangenehm vor allem wenn ich im Wiegetritt fahre, was hier der ganze Tag mehr oder weniger der Fall ist. So hat es beim letzten Mal auch angefangen und ich hoffe, dass sie genau wie ich die Po-Backen zusammenkneift und einigermassen durchhält bis zum Schluss.


Eigentlich wollte ich mir am Abend im Indomart (Tante-Emma-Ladenkette in ganz Indonesien) eine Instant-Nudeldose holen und habe auf dem Weg ein Restaurant gesehen. Ein richtiges Restaurant! Eigentlich hat es hier nur von diesen Gassenküchen. Und prompt gab es einen freien Tisch. Der Letzte im ganzen Restaurant, 30 Tische à 4 Plätze habe ich gezählt, voll ausgebucht. Es wurde mir die Karte gereicht. Das einzige was ich verstanden habe war ‚Juice mangaa‘ o.ä. jedenfalls war der schon mal ganz gut. Beim Essen habe ich dann einfach auf den Teller meines Nachbarn gezeigt, das sah ganz ansprechend aus. War auch gut, aber extrem scharf. Ich schwitzte wie blöd. Den ganzen Servietten-Dispenser habe ich geleert. Überall triefte es aus den Poren, die Haare nass, das ganze Programm. Just in diesem Moment kam eine Mutter mit ihren drei Kindern an meinen Tisch, ob sie ein Foto machen könnte mit mir und den Kids. Super Timing. Dies sahen natürlich auch die anderen ca. 100 Gäste und schon kamen die nächsten zum Shooting. Bei der erst besten Gelegenheit bin ich aufgestanden um meine Rechnung zu begleichen aber mir wurde beim Ausgang schon abgepasst. Seit einer Woche fühle ich mich hier wie ein Ausserirdischer, werde permanent beobachtet, fotografiert und bemerke wie getuschelt wird. 


Rein optisch habe ich heute das schönste Zimmer dieser Woche. Nicht dass es mir hier gefällt, es ist einfach eine Spur besser als jene zuvor. Aber der Schein trügte. Hier hat man zwei grosse Probleme. Der Strom fällt immer wieder aus und kann dann gut auch zwei Stunden weg sein und das heisst, es wird sehr schnell düppig wenn das Klimagerät nicht rattert. Wenn es Strom gibt, dann dröhnt ein Generator vor der Tür. Das zweite Problem, es hat unglaublich viele Mücken im Zimmer. Habe sicher schon 50 Stück gekillt, wahrscheinlich mehr und es hat immer noch unglaublich viele. Obschon ich von meiner heutigen Tour die nötige Müdigkeit mitgebracht hätte, gab es keine einzige Minute Schlaf in dieser Nacht.

Morgen kommt der 8te und letzte Fahrtag und dann gibt es einen, eventuell auch zwei Ruhetage. Je nach dem was das Hotel so bietet.



Sonntag, 24. September

Der beste Tag von acht Schlechten


Heute war der bisher beste Tag seit ich in Indonesien bin und dies ohne Schlaf, das will etwas heissen. Nicht dass er gut gewesen wäre, aber immerhin ein klitzekleines bisschen besser als die letzten 7 Tage. Wahrscheinlich weil am Sonntag nur alle 20 Sekunden ein Laster an mir vorbei donnert und nicht alle 5 Sekunden. Aber sicher auch weil mein Hotel heute mit Abstand das  Beste unter all den Absteigen ist. 


Ich bin nun in 8 Tagen knapp 1’000 Kilometer gefahren (969) und 8‘700 Meter geklettert. Also auf den Mount Everest. Viel mehr ist nicht möglich. Ich will diese Pace aber zumindest halten können damit ich möglichst schnell am Zwischenziel Jakarta und am Hauptziel Bali ankomme um dann doch noch etwas Strandferien machen zu können. 


Heute habe ich nach langem wieder einmal einen anderen Fernradler getroffen. Der hat mich auf den Boden der Realität gebracht. Ein gebürtiger Deutscher mit australischem Pass namens Detlef. Er macht gerade umgekehrt was ich mache, er fährt von Bali nach Dumai. Leider hat er nichts Gutes berichtet von Jawa, also zwischen Jakarta und Bali. Der Verkehr sei brutal und ebenso die Anstiege. Es sei hier in Sumatra ein Radlerparadies im Vergleich zur anderen Insel meinte er. Du meine Güte. Was für eine Aussage. Sumatra ist für mich die Hölle auf Erden und nun soll‘s noch schlimmer kommen? Ich werde mir selber ein Bild machen aber noch einmal 1800 Kilometer so oder noch schlimmer werde ich mir nicht antun wollen…




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