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200 KM - Ein unglaublicher (fast) Abschluss

Ich habe mich schon am Abend entschieden, dass ich es versuchen will, den zweitletzten und drittletzten Fahrtag zusammenzulegen. Grund war einzig und allein die schmuddeligen Nachtlager, welche ich hinter mich lassen wollte. Mir ist völlig bewusst, dass 90% aller hier lebenden Menschen so oder noch schlimmer hausen und ihnen gehört mein grösster Respekt. Wir Europäer und ganz besonders wir in der Schweiz, leben definitiv auf der Sonnenseite des Lebens. Das kann ich nach 19 bereisten Ländern getrost sagen!


Habe meine Füsse, Unter- und Oberschenkel mit einer Extraportion SatisFeet Vital eingestrichen und meine Taschen gepackt, so dass ich am Morgen früh nur noch die Zahnbürste reinschmeissen konnte. Ich glaube es war das erste Mal, dass ich bei völliger Dunkelheit losgefahren bin. Aber es hatte durchaus seinen Reiz. Die ersten 100 Kilometer bin ich schier geflogen. Ich war voller Adrenalin, Freude und Glück. Auch waren die Verhältnisse perfekt; trockene Strassen, milde Temperatur (30 Grad, sorry Schweiz), wenig Verkehr und praktisch windstill. Einfach nur wunderbar. Bei Kilometer 127 kam dann der Einbruch und meine Geschwindigkeit ging rapide zurück. Es war ein rauf und runter, nicht so krass wie auf Sumatra aber ähnlich - einfach etwas flachere, länger gezogene Hügel. 60 Kilometer gingen durch den Dschungel. Ständig in Begleitung von Affen, welche laute Geräusche von sich geben und von einer Palme zur anderen springen. Leider sind die auch sehr angriffslustig und ich war immer froh, wenn in solchen Situationen die Strasse etwas nach unten neigte um gut beschleunigen zu können. Wahnsinnig vorsichtig scheinen sie nicht zu sein, denn ich habe am Strassenrand drei überfahrene Affen gesehen. Apropos Tiere aus dem Dschungel - ich habe ja während meiner Reise (leider) fast täglich Schlangen gesehen, jedenfalls ab Vietnam, aber eine Schlange wie heute, wahrscheinlich noch nicht. Ein Riesending! Quickfidel am Strassenrand, zweimal gefaltet aber sicher eine Gesamtlänge von 4 Meter und ein Durchmesser wie ein Tennisball. Puoh, die wird mich ganz sicher noch ein paar Nächte beschäftigen. Auch von diesen Monsterechsen habe ich wieder gesehen aber die vermögen mich nicht gross zu stressen, jedenfalls nicht wenn ich auf dem Sattel sitze. 


16 Kilometer vor dem Zielort Johor Bahru, war das Datenvolumen von meinem Handy aufgebraucht. Ohne GoogleMaps finde ich das Hotel nie und nimmer und so begab ich mich in eine Tankstelle wo mich 4 Angestellte zusammen bedienten um mein Problem zu lösen. Als ich die Tankstelle verlassen konnte, schüttete es in Strömen. Die letzten Kilometer waren schon hart genug aber was soll’s, dachte ich. Bald schon stehe ich unter einer herrlichen, warmen Dusche und kurz darauf vor einem kühlen Bier. Letzte Nacht habe ich aufgrund der vielen Krabbeltiere kaum ein Auge zugemacht, mit den 200 Kilometer in den Beinen, wird mir dies heute ganz sicher nicht passieren. Mit der zweitlängsten Tagesstrecke der Tour war dies heute ein wirklich schöner ‚fast Abschluss‘, dieser zweitletzte Fahrtag. Nun freue ich mich darauf Johor Bahru kennenzulernen. Die Hafenstadt ist mit 1,7 Mio. Einwohner ein wichtiger Wirtschaftsstandort von Malaysia, auch wegen der unmittelbaren Nähe zu Singapur. Dort werde ich somit am Dienstag einfahren. Zuerst darf ich aber noch zum dritten Mal den vorderen Schlauch wechseln, ich habe es fast bis vor das Hotel geschafft und mein liebes Vreni die letzten 50 Meter mit einem völlig platten Reifen geschoben.




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